Babys eintopfen oder „Windelfrei light“

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Vor fast sechs Jahren war ich radikal revolutionär. Meine erste Tochter war gerade geboren und ich fragte mich im Rahmen der Stoffwindel-Wegwerfwindel-Debatte: „Wie machen das eigentlich die anderen Völker dieser Erde? Die, die kein Wasser zum Waschen oder kein Geld fürs Wegwerfen haben?“ Die Lösung ist bestechend einfach – sie benutzen gar keine Windeln! Sie halten ihre Babys einfach über den nächsten Busch, Topf oder ähnliches. Durch den beständigen Kontakt zu einer oder mehreren Bezugspersonen und das enge Tragen am Körper wird niemand angepullert.

„Genial! Das mache ich doch einfach auch!“

Gesagt, getan. Ich schmiss die Windeln aus dem Haus, steckte mein Baby ins Tragetuch und sobald sie sich meldete (Ja, das tun Babys wirklich!) – zack, raus aus dem Tragetuch und übern Busch. Meine Tochter war damals 3 Monate alt, es war Sommer und sie war tatsächlich komplett windelfrei. Dann kam der Winter und das flotte Ausziehen wurde schwieriger. Also doch wieder Stoffwindeln dran, Supersensor runtergeschraubt und in den Kopf einprogrammiert, dass Babys sicher auch mal damit klarkommen eine nasse Windel zu tragen… Wir waren also nicht mehr „windelfrei“, aber „eingetopft“ haben wir unsere Tochter trotzdem. Nach dem Aufstehen, beim Wickeln und so gut wie jedes Mal beim großen Geschäft. Sauber war sie quasi immer, trocken mit 2 Jahren. Beim zweiten Kind haben wir es dann genauso so (bzw. etwas relaxter) von Anfang an gemacht.

War ich vor sechs Jahren damit noch ein sonderbarer Sonderling, treffe ich mittlerweile immer mehr Leute, die das „Baby eintopfen“ schon ganz selbstverständlich machen („eintopfen“ klingt für mich irgendwie weniger radikal als „windelfrei“ 😉). Warum auch nicht? Okay, es ist mit etwas mehr Aufwand verbunden, aber es lohnt sich.

7 Gründe, warum du das „Baby eintopfen“ auch probieren solltest:

  1. Babys sagen von Anfang an Bescheid, wenn sie müssen. Wir müssen es nur bemerken.
  2. Es ist einfach sauberer und würdevoller. Kein anderes Tier lässt seine Kinder wortwörtlich „in der Sch… liegen“.
  3. Es spart deutlich Windeln und Wäsche und schont somit in grandioser Weise die Umwelt, fernab jeder Stoffwindel-Werfwerfwindel-Debatte.
  4. Eingetopfte Kinder werden meist schneller und problemloser sauber und trocken. Sie müssen sich nicht erst auf das Konzept „aufs Klo gehen“ umgewöhnen.
  5. Es verbessert die Kommunikation zwischen dir und deinem Baby. Du verstehst die Bedürfnisse deines Babys besser (aka „Was könnte es denn haben?“). Dies wiederum führt zu => weniger Schreien.
  6. Es verbessert die Verdauung. Die senkrechte Position macht das „Entleeren“ deutlich leichter, die Bauchorgane werden massiert und Blähungen reduziert.
  7. Es macht einfach Spaß und kleine Babys auf dem Topf sehen einfach zuckersüß aus.

Du kannst jetzt gleich damit anfangen! Am besten klappt es mit Babys, die jünger als 5 Monate sind, da sie sich noch nicht so sehr ans Windeln gewöhnt haben und noch Bescheid sagen. Aber auch älteren Babys sieht man es deutlich an, wenn sie müssen. Ein konzentriertes Gucken, eine kurze Spielpause, das verräterische Drücken… Alles, was du brauchst, ist ein Baby, ein Gefäß (Klo, Waschbecken, Topf oder Schüssel – für kleine Babys eignen sich auch Chinatöpfchen sehr gut) und etwas Geduld und Beobachtungsvermögen. Halt dein Baby beim nächsten Wickeln einfach mal probehalber übers Waschbecken und schau, was passiert. Du kannst ihm auch sanft auf den Kopf pusten, „pschpsch“ machen oder das Wasser laufen lassen. Probiere es einfach mal aus! Und schreib mir, wie es dir dabei ergangen ist. Viel Spaß!

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